George Orwell; Fido Nesting (Illustr.): 1984
Besprechung
Ständige Überwachung, Kontrolle bis in den privaten Bereich hinein, die Übermacht der Medien und deren Möglichkeit zur Einflussnahme auf den Einzelnen - auch nach über 70 Jahren hat George Orwells Werk „1984“ nichts an Aktualität eingebüßt. Es beschreibt einen totalitären Staat mit unbedingtem Willen zur Macht. Ein innerer Kreis der Mächtigen, ein äußerer Kreis, der zur Machterhaltung beiträgt und die große Masse derer, die ausgebeutet werden.
Protagonist Winston Smith (39) arbeitet im Ministerium für Wahrheit, beauftragt die Vergangenheit im Sinne der Partei zu korrigieren. Er unterliegt dabei der totalen Kontrolle. Bei der Arbeit, zuhause und in weiten Teilen des öffentlichen Lebens sind Teleschirme installiert, die jede Bewegung und jedes Geräusch aufzeichnen können. Die Kontrolle darüber liegt bei der Gedankenpolizei, und die Furcht ist groß, schon durch bloße falsche Mimik verraten zu können, dass man anders denkt. Winston zweifelt am System, sieht überall die Bedrohung, durch Fehlverhalten annulliert zu werden. Trotzdem wagt er alles, als er eine Beziehung mit Julia (26) eingeht. Die beiden verlieben sich und führen versteckt eine Beziehung, immer mit dem Wunsch nach einem freien Leben. Beide erhoffen sich durch die Bekanntschaft zu O‘Brian in den inneren Kreis der Widerständler aufgenommen zu werden und das BigBrother-System stürzen zu können. Doch O‘Brian entpuppt sich als brutaler Systembefürworter, der die beiden schließlich festnimmt, foltert und nicht nur ihren Willen, sondern auch deren Wesen bricht, so dass die beiden nicht mehr dieselben sind. Kein Happy End, das Böse gewinnt.
Der brasilianische Grafiker Fido Nesti, selbst Betroffener eines diktatorischen Systems, zeichnet mit düsteren Farben eine Retrospektive, die dem Zeitgeist der Originalausgabe von 1950 nahe kommt. Sein eigenwilliger Zeichenstil hat Methode und beeindruckt. Er reduziert die Augenpartien und wechselt häufig die Perspektive. Die grafische Novelle nimmt zudem Bezug zu der Lebenswirklichkeit des Autors und dessen Zeit bei der BBC. So entspricht das Londoner „Senate House“ zeichnerisch den vier Ministerien im Buch.
Als besonderes Merkmal dieser grafischen Novelle sei erwähnt, dass das „Buch der Bruderschaft“ den Leserinnen und Lesern in Schriftform auf 15 Seiten dargeboten wird. Im Appendix werden außerdem die Grundlagen des „Neusprech“ ausführlich erklärt.
Didaktische Hinweise
Trotz grafischer Novelle ist der Sprachduktus nicht ganz einfach und ein Einsatz im Unterricht nur für die Sekundarstufe 2 denkbar. Deutsch-Lehrkräfte werden sicher Gefallen an der ausführlich beschriebenen Grammatik des „Neusprech“ finden. Fragen, die sich für eine vertiefte Betrachtung anbieten:
- Welchen Einfluss haben die Medien auf die Willensbildung der Masse?
- Wie gläsern ist der Mensch durch die Nutzung sozialer Medien?
- Warum ist Gewaltenteilung wichtig?
- Welche Funktionen hat Sprache?
Möglichkeiten zum Einsatz des Buches sind im Zusatzmaterial gegeben.

Gattung
- Science-Fiction
Eignung
als Klassenlektüre geeignetAltersempfehlung
Jgst. 10 bis 13Fächer
- Deutsch
- Medienerziehung
FÜZ
- Medienbildung/Digitale Bildung
- Politische Bildung
- Sprachliche Bildung
- Werteerziehung
Erscheinungsjahr
2021ISBN
9783550200878Umfang
223 SeitenMedien
- Buch
- E-Book
- Hörbuch
- Film