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Gaea Schoeters: Trophäe

Besprechung

Der Roman mit dem Titel „Trophäe“ stammt von der belgischen Schriftstellerin Gaea Schoeters. Im Mittelpunkt der Handlung steht der steinreiche Finanzmanager und Großwildjäger Hunter White, der ein Vermögen für sein Hobby, die Großwildjagt in Afrika, ausgibt. Dabei stellt Afrika für Hunter White einen durchkapitalisierten Vergnügungspark dar. Afrika – so die Logik von White – gibt es ohnehin nur noch, weil die Großwildjagt zum wichtigsten Wierschaftsfaktor der Einheimischen geworden ist, da die teuren Jagdlizenzen dazu beitragen, dass die Tiere plötzlich viel Geld wert sind. In der Annahme, sogar Gutes zu tun und zum Erhalt der Arten beizutragen, reist Hunter White nach Afrika, denn das Einzige, was ihm in seiner Sammlung der „Big Five“ noch fehlt, ist der Abschuss eines vom Aussterben bedrohten Nashorns. Als Hunter jedoch der Abschuss des teuer bezahlten Nashorns missglückt, da ausgerechnet Wilderer ihm die begehrte Trophäe wegschnappen, nimmt die Handlung eine verstörende Wendung: Als Alternative bietet ihm sein Freund Van Heeren, der weltweit große Landstriche aufkauft, um sie vor der vermeidlichen Zerstörung und der Zersiedelung zu retten, einen Jungen aus dem Dorf an. Zusammen beobachten White und Van Heeren den jungen Mann bei der Jagd. Die anmutigen, gazellenhaften Bewegungen wecken in Hunter einen animalischen Jagdinstinkt, die Großtierjagd wird zu einer absurden Menschenjagd – aus den begehrten „Big-Five“ werden fatale „Big Six“, bei der die Autorin Schritt für Schritt nicht nur das neokapitalistische, sondern auch das neokoloniale Denken als ein perfides Abhängigkeitssystem entlarvt, das am Ende nicht nur dem jungen Mann das Leben kostet, sondern für das auch Hunter White mit seinem Leben bezahlt.

Didaktische Hinweise

Trotz der schonungslosen Brutalität der Handlung eignet sich der Roman für eine Unterrichtsdiskussion, denn es geht um ganz zentrale Fragen des menschlichen Zusammenlebens. Dabei ist nicht nur die menschliche Anthropologie von Bedeutung (siehe Ethik GY 11), sondern es wird auch die Frage gestellt: Was ist ein Menschenleben wert? Im Verlauf der Geschichte werden die moralischen Grenzen von richtig und falsch immer wieder neu ausgelotet. Der Gewissenlosigkeit und Geldgier von Hunter White und Van Heeren, die fest davon überzeugt sind, Gutes zu tun, wird die traditionelle Lebensweise der Einheimischen gegenübergestellt. Am Ende zeigt sich aber, dass der Altruismus der Einheimischen genauso brutal sein kann wie die kapitalistische und darwinistische Vorstellung von Hunter White. Neben dem anthropologischen Aspekt bietet der Roman zusätzlich eine Reihe an aktuellen Themen: 

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Das Buch eignet sich außerdem zur Besprechung im Sinne der Bildung für Nachhaltige Entwicklung, besonders unter den Punkten Menschenwürde (8) und Weniger Ungleichheit (10), Maßnahmen zum Klimaschutz sowie Leben an Land (15).

Gattung

  • Romane

Eignung

als Klassenlektüre geeignet

Altersempfehlung

Jgst. 11 bis 13

Fächer

  • Biologie
  • Deutsch
  • Ethik/Religionslehre (Evang. Religionslehre
  • Geschichte
  • Interkulturelle Erziehung
  • Psychologie
  • Sozialkunde/Politik und Gesellschaft

FÜZ

  • Interkulturelle Bildung
  • Bildung für Nachhaltige Entwicklung (Umweltbildung, Globales Lernen)
  • Soziales Lernen
  • Politische Bildung
  • Kulturelle Bildung
  • Werteerziehung

Erscheinungsjahr

2024

ISBN

9783552073883

Umfang

256 Seiten

Medien

  • Buch
  • E-Book